Seit 25 Jahren beeinflußt HIV/AIDS unser Leben. 1981 treten erste Berichte auf, in denen von einer Häufung seltener und tödlicher Krankheiten bei jungen, zuvor gesunden Menschen die Rede ist. Schnell wird erkannt, dass es sich um eine erworbene Immunschwäche handelt, die Krankheit erhält den Namen AIDS (Aquired ImmunoDeficiency Syndrom). 1984 wird zeitgleich vom amerikanischen Forscher Robert Gallo und vom französischen Wissenschaftler Luc Montagnier ein menschliches Retrovirus gefunden, welches mit AIDS in Zusammenhang steht: HIV, das „Human Immunodeficiency Virus“.
Bereits 1985 sind die ersten HIV-Tests erhältlich. Im gleichen Jahr werden auch die AIDS-Hilfen Österreichs gegründet. Von Beginn an sind hier kostenlose und anonyme HIV-Tests in einem umfassenden Beratungssetting möglich. 1987 kommt das erste antiretrovirale Medikament auf den Markt, weitere Wirkstoffe werden entwickelt. Seit 1996 verwendet man die HAART (Highly Active AntiRetroviral Therapy), eine Kombinationstherapie aus verschiedenen Wirkstoffen.
Trotz HAART ändert sich aber wenig am Krankheitsverlauf. HIV wird durch sexuelle Kontakte und über Blutprodukte übertragen. Nach einer ersten kurzen, meist unbemerkten, akuten Phase, folgt eine längere symptomfreie Zeit. Im weiteren Verlauf treten dann Krankheitsbilder auf, die durch das geschwächte Immunsystem begünstigt, bzw. durch das Virus hervorgerufen werden. Diese sogenannten AIDS-definierenden Erkrankungen signalisieren die letzte Phase der HIV-Infektion.
Parallel zur Entwicklung des medizinischen Standards, wandelt sich auch der Umgang mit HIV/AIDS. In den 80er Jahren kam ein positiver Test mehr oder weniger einem Todesurteil gleich. Durch die HAART können die Menschen heute wählen zwischen den Therapieformen und trotz der massiven Nebenwirkungen steigen Lebensqualität und Lebenserwartung stetig. Deshalb hat HIV/AIDS teils an Brisanz und Aktualität verloren und wird oft als chronische Krankheit bezeichnet.
Dies ist allerdings eine Fehleinschätzung. Die HAART ist eine lebenslange Therapie. Das strenge Therapieregime (welche Tablette, wann und womit) beeinflußt durchaus das Alltagsleben. Die konsequente Einnahme ist oft mühsam und gerät leicht aus dem Gleichgewicht. Wie jedes Medikament, kann auch die HAART das Wohlbefinden beeinflussen. Effekte wie Kopfschmerzen, Schwindel, Magen-Darm-Probleme oder Hautausschläge kommen vor. Zusätzlich können durch die jahrelange Einnahme auch langfristige Nebenwirkungen, wie z.B. die Schädigung einzelner Organe, auftreten. Die Effekte sind nicht zwingend, dürfen aber keinesfalls unterschätzt werden.
Nichtsdestotrotz, ist es dank der HAART möglich, mit HIV/AIDS ein „normaleres“ Leben zu führen. Sie ermöglicht individuelle Perspektiven, die Lebenserwartung und vor allem die Lebensqualität werden immer besser. Das zeigt auch die Statistik: Das Durchschnittsalter der Betroffenen in Österreich liegt bei 42 Jahren, über 6% sind über 60 Jahre alt - Tendenz steigend.
Obwohl die HAART ständig optimiert wird und sich die Umstände bessern, darf die Gefahr einer Infektion und ihrer Konsequenzen für das weitere Leben auf keinen Fall unterschätzt werden.
Text: Mag. Birgit Leichsenring